Mitten im Herzen des Amazonas, umgeben von der größten verbliebenen grünen Lunge unseres Planeten, fand die COP30 statt – und was bleibt? Ein gigantischer Haufen leerer Worte, verbrannter Hoffnung und ein bitterer Nachgeschmack aus faulen Kompromissen. Es hätte ein Wendepunkt sein können. Stattdessen? Ein Trauerspiel mit Ansage.
Belém: Mehr Kulisse als Kurswechsel
Es hätte der symbolträchtigste Klimagipfel der letzten Jahre sein können. Belém – direkt am Rand des Amazonasgebiets. Hier, wo indigene Völker seit Jahrhunderten für ihre Lebensgrundlagen kämpfen, wo Biodiversität atmet, wo jeder Baum zählt.
Und doch: Es wurde wieder verhandelt, gebremst, verwässert. Man redete von „gemeinsamer Verantwortung“ – aber wer fühlte sich wirklich verantwortlich?
Klar, da waren große Worte. Die Rede von einer „klimaneutralen Zukunft“. Der Schutz der Tropenwälder. Die Dringlichkeit, die 1,5-Grad-Grenze einzuhalten. Aber wie oft haben wir das jetzt schon gehört?
Die Realität: Fünf Schritte zurück, keiner vorwärts
Das Ergebnis dieses Gipfels ist ein Zeugnis des politischen Bankrotts. Wieder einmal haben sich die Länder nicht auf einen vollständigen Ausstieg aus fossilen Energien geeinigt. Kein verbindliches Datum für das Ende von Öl, Gas und Kohle. Kein globales Abkommen zum Schutz der verbliebenen Urwälder. Keine neuen Finanzzusagen, die den Namen verdienen.
Stattdessen? Ein halbherziger Fonds, ein paar Lippenbekenntnisse zum Schutz indigener Rechte – und jede Menge Selbstbeweihräucherung. Es klingt hart, aber: Wer sich wirklich Veränderung erhofft hatte, wurde gnadenlos enttäuscht.
Und wer zahlt den Preis?
Diejenigen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben – sie tragen die Hauptlast. Kinder in Dürregebieten, Bauernfamilien, deren Böden versalzen, Küstengemeinden, deren Häuser vom steigenden Meer verschluckt werden.
Man fragt sich wirklich: Wie lange noch? Wie oft sollen sich Länder des globalen Südens an Konferenztischen rechtfertigen, während Industrienationen mit Samthandschuhen angefasst werden?
Reden statt handeln – wann endet dieses Spiel?
Wie kann es sein, dass nach dreißig Weltklimakonferenzen immer noch keine Einigkeit über einen schnellen, gerechten und vollständigen Ausstieg aus fossilen Energien herrscht? Wie viel Zeit glauben Entscheidungsträger eigentlich noch zu haben?
Während Belém mit Drohnenlichtshows und glattgebügelten Statements glänzte, brennt die Realität an allen Ecken. Wir stehen am Kipppunkt. Wissenschaftler warnen seit Jahren vor der Instabilität des Amazonas – das System könnte bald kippen, vom Kohlenstoffspeicher zum Emittenten werden.
Aber hey – Hauptsache, man hat sich mal wieder „ausgetauscht“.
Warum diese Konferenz weh tut
Ich bin wütend. Und ich bin nicht allein. Viele von uns, die seit Jahren für Klimagerechtigkeit arbeiten, haben auf Belém gesetzt. Auf diesen Ort, auf diesen Moment, auf die Verantwortung. Doch stattdessen wurde weiter verwaltet statt verändert.
Es tut weh zu sehen, wie Chancen verschenkt werden – und wie zynisch das Ganze inszeniert wird. Als wäre Symbolik ein Ersatz für Taten.
Und da stehen sie dann – Minister:innen, Delegierte, Unternehmenschefs – und gratulieren sich gegenseitig. Während draußen das Artensterben weitergeht, während sich Extremwetter häufen, während Millionen Menschen ihre Heimat verlieren.
Die Wut ist berechtigt – und sie muss gehört werden
Diese Welt braucht kein weiteres diplomatisches Schönwettergerede. Sie braucht mutige Entscheidungen. Klare Regeln. Ein globales Kohle-Öl-Gas-Ende mit echtem Zeitplan. Und endlich Investitionen, die dort ankommen, wo sie gebraucht werden – bei den Menschen an der Klimafront.
Warum ist das so verdammt schwer?
Warum glauben einige Staaten immer noch, sie könnten sich rauskaufen – aus Verantwortung, aus Schuld, aus der Realität?
Was jetzt zählt
Belém mag gescheitert sein – aber der Kampf ist nicht vorbei. Zivilgesellschaften, Städte, Regionen und Unternehmen können Druck aufbauen. Und das tun sie schon. Klimabewegungen weltweit haben längst verstanden: Auf diese Konferenzen alleine ist kein Verlass mehr.
Wenn die Politik versagt, müssen wir stärker werden. Lauter. Radikaler im Denken. Und mutiger in der Umsetzung.
Denn die Zeit läuft – und zwar schneller, als es die Phrasen auf solchen Gipfeln zulassen.
Von Andreas M. Brucker

