Ein Klimaphänomen widerlegt: Das Eis des Yellowstone-Sees trotzt der Erwärmung

Yellowstone
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In einer Welt, in der Klimaveränderungen immer deutlichere Spuren hinterlassen, liefert der Yellowstone-See ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie komplex die Natur auf diese Veränderungen reagieren kann. Trotz der globalen Erwärmung und der Verkürzung der Eisbedeckungsdauer der meisten Seen weltweit, zeigt der Yellowstone-See eine überraschende Beständigkeit in seiner Eisdecke, die sich im letzten Jahrhundert nicht verändert hat.

Ein unerwarteter Befund

Forscher der University of Wyoming haben entdeckt, dass die Dauer der Eisbedeckung des Yellowstone-Sees über die letzten hundert Jahre unverändert geblieben ist, trotz steigender Temperaturen in der Region. Dieses Phänomen stellt eine Ausnahme dar, verglichen mit ähnlichen Seen in der nördlichen Hemisphäre, bei denen eine deutliche Verringerung der Eisbedeckung festgestellt wurde.

Warum bleibt der Eisdecke unverändert?

Der Yellowstone-See, der sich auf einer Höhe von 2.357 Metern über dem Meeresspiegel im Herzen des Yellowstone-Nationalparks befindet, friert üblicherweise Ende Dezember oder Anfang Januar zu und taut Ende Mai oder Anfang Juni auf. Die Wissenschaftler untersuchten Klimadaten des Sees von 1927 bis 2022 und stellten fest, dass die Lufttemperaturen in der Region seit 1950 um 1 Grad Celsius gestiegen sind, mit einer stärkeren Erwärmung von etwa 1,4 Grad Celsius zwischen 1980 und 2018. Trotzdem zeigten die Daten des Sees keine entsprechende Verschiebung in der Eisphänologie.

Die Rolle des Schneefalls

Eine wahrscheinliche Erklärung für die Beständigkeit der Eisdecke des Yellowstone-Sees ist der erhöhte Schneefall, der als Puffer gegen die wärmeren Temperaturen wirkt. Besonders der Frühlingsschnee, dessen Volumen sich im letzten Jahrhundert nahezu verdoppelt hat, trägt dazu bei, das Eis länger zu erhalten. Die allgemeine Zunahme der Niederschläge im Frühjahr und Herbst am Yellowstone-See steht im Gegensatz zu Trends im südlich gelegenen Upper Green River Basin, wo der Schneefall zurückgegangen ist oder stabil geblieben ist.

Ein künftiger Wendepunkt?

Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass diese Phänomene möglicherweise nicht von Dauer sind. Sie prognostizieren einen „Wendepunkt“, an dem die Eisphänologie des Sees abrupt ändern könnte. Dieser Wendepunkt wird voraussichtlich durch den laufenden Übergang von schnee- zu regendominierten Niederschlagsregimen im Herbst und Frühling ausgelöst.

Mögliche weitreichende Konsequenzen

Sollte sich die Eisdecke des Yellowstone-Sees in Zukunft signifikant verändern, könnte dies weitreichende Folgen für den Nährstoffkreislauf, die Produktivität des Sees, die Fischerei und die Erholungsnutzung haben. Diese möglichen Änderungen unterstreichen die Notwendigkeit, die lokalen klimatischen Bedingungen und ihre Auswirkungen auf natürliche Ökosysteme weiterhin sorgfältig zu überwachen und zu erforschen.

Die Ergebnisse dieser Studie sind ein faszinierendes Beispiel dafür, wie lokale klimatische Besonderheiten die allgemeinen Trends des Klimawandels beeinflussen oder sogar konterkarieren können. Sie erinnern uns daran, dass die Antworten der Natur auf den Klimawandel oft unvorhersehbar und komplex sind. Welche weiteren Überraschungen mag die Natur wohl für uns bereithalten? Und wie können wir uns am besten auf diese unerwarteten Wendungen vorbereiten?


Reference:

  1. Lusha Tronstad, Isabella Oleksy, Justin P. F. Pomeranz, Daniel Preston, Gordon Gianniny, Katrina Cook, Ana Holley, Phil Farnes, Todd Koel, Scott Hotaling. Despite a century of warming, increased snowfall has buffered the ice phenology of North America’s largest high-elevation lake against climate changeEnvironmental Research Letters, 2024; DOI: 10.1088/1748-9326/ad3bd1